Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Orte > Gothen, Heringsdorf, Ahlbeck (1851-1856)


Der Erwerb des Ritterguts Gothen auf der Insel Usedom mit den zugehörigen Dörfern Neuhof, Neukrug, Adelig-Ahlbeck und der Fischerkolonie Heringsdorf durch Louis v. Treskow im Jahre 1851 blieb eine Episode. Es handelte sich um ein Spekulationsgeschäft, in dessen Zentrum der neubegründete Badebetrieb an der Ostseeküste stand.   



Das 800 Hektar große Gut Gothen, heute ein Vorort der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf, ursprünglich ein Vorwerk der Herrschaft Mellenthin an der Straße von Wollin nach Swinemünde, wurde 1817 von dem Forstmeister Georg Bernhard v. Bülow (1768-1854) erworben und von ihm planvoll zu einem kleinen Seebad ausgebaut: seit 1818 gab es die Kolonie Heringsdorf, die 1820 vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm aus einer Laune heraus ihren merkwürdigen Namen erhalten hatte, und 1825 begann der reguläre Badebetrieb. Zum Rittergut gehörten schon bald ein Gesellschaftshaus, drei Logierhäuser, ein „warmes“ Badehaus und die Seebade-Anstalt. Der Schriftsteller und spätere Politiker Heinrich Laube notierte hierzu in seinem Reisebericht von 1837: „In Heringsdorf wohnen Poeten, die keine bewegte Welt brauchen und eine halbe Einsamkeit suchen, resignierte Mädchen, Professorenfrauen mit vielen Kindern, die einer Seewäsche bedürfen, Diätiker mit starken Grundsätzen und andere ehrliche Leute, welche man nicht in Swinemünde oder sonst wo haben will.“  

 

Als der Posener Gutsherr Louis v. Treskow (1799-1865) im Jahre 1851 das Rittergut und die Badeanstalten von dem 83-jährigen Georg Bernhard v. Bülow erwarb, hatte Heringsdorf bereits nahezu 1000 Gäste im Jahr. Zentrum des Geschehens war das bis heute als „Hotel Weisses Schloss“ erhaltene erste Logierhaus von 1820 sowie das danebenliegende, 1926 abgerissene Gesellschaftshaus. Der Dichter Willibald Alexis, der in den 1830er Jahren Fanny Hensel und seine Berliner Künstlerfreunde nach Heringsdorf holte, schrieb über diesen Platz: "Ein Wirtshaus in schöner Lage lockt aber heute, wie im Mittelalter der Bau eines Münster oder Herrenschlosses zu der neuen Ansiedlung ringsum, Gesellschaftshaus genannt, der imposantere Punkt mit unvergleichbarer Aussicht".


Einem Besuch des Königs Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1846 hatte der Ort seine prächtige, von Ludwig Persius entworfene neugotische Waldkirche zu verdanken, und der Ort behauptete sich immer erfolgreicher gegen die Konkurrenz von Putbus und Swinemünde. Selbst das zum Rittergut gehörende Ahlbeck hatte seit 1852 erste Erfolge mit Badegästen.


 

Der Badearzt Dr. Schmige beschrieb die neuen Anlagen von Heringsdorf und Umgebung 1852 in seiner „kurzen Anleitung zum Gebrauch des Seebades“: „Kein Wunder, dass Heringsdorf, welches vor noch nicht langer Zeit nur aus Strohhütten bestand, jetzt eine bedeutende Anzahl geschmackvoller Gebäude besitzt, deren Zahl und Bequemlichkeit sich mit jedem Jahre vermehrt. Der jetzige Besitzer, Herr v. Treskow, verbindet mit Sachkenntnis und Geschmack das Nützliche, die Badeeinrichtungen werden vergrössert und wesentlich verbessert, der Ort selbst durch neue Anlagen und gute Wege angenehmer gemacht und wenn, wie zu erwarten steht, noch hinreichende Anstalten zur Anwendung warmer Bäder eingerichtet sein werden, ist es ohne Zweifel, dass diesen Badeort eine lachende Zukunft erwartet.“ Zu diesen Neuerungen der Jahrhundertmitte gehörte zum Beispiel der „Concertgarten Italien mit Schwanensee, angelegten Wegen und schattigen, lauschigen Verweilecken“.
Das erst vor wenigen Jahrzehnten abgerissene Gutshaus am Gothensee blieb dennoch ungenutzt: Louis v. Treskow bevorzugte sein Gut Wierzonka bei Posen und hielt sich nur sporadisch an der Ostsee auf. Seine Investitionen in Pommern zahlten sich offenbar nicht schnell genug aus. Er verkaufte seinen Besitz auf Usedom bereits nach fünf Jahren 1856 an einen anderen Spekulanten, Hermann Weichbrodt, der zur Vergrößerung der landwirtschaftlichen Anbauflächen den Gothensee trockenlegen wollte. Auch hieraus wurde nichts. Das große Geschäft machten erst 1871 die Bankiers Delbrück aus Berlin: sie kauften 200 Hektar Küstenstreifen des Ritterguts Gothen und gründeten damit 1872 die Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf – finanzielles Fundament für das nun aufblühende „Nizza der Ostsee“, das als Kaiserbad und Sommerfrische der Berliner Millionäre Karriere machte.