Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Orte > Wierzonka (1797-1945)


Das 1402 Hektar grosse Gut Wierzonka gehörte traditionell zu den Owinsker Klostergütern und wurde seit dem Erwerb 1797 auch von Owinsk aus verwaltet. Otto Sigismund v. Treskow 1756-1825) gab es an seinen jüngsten Sohn Louis (1799-1865), der sich 1825 ganz hier niederliess und sich um 1830 ein schlichtes, aber geräumiges Gutshaus errichten liess. Er liess zudem die Försterei Ludwigshöhe (Ludwikowo) und das Vorwerk Milo anlegen, benannt nach dem verlorenen Stammsitz der Familie im Havelland. Erst mit 36 Jahren konnte er sich für eine eigene Familie entscheiden, er heiratete 1835 die 16jährige Cousine Melanie Schüler-Baudesson aus der französischen Gemeinde Berlin, mit der er gewissermaßen groß geworden war. Baudessons waren ebenfalls Glaubensflüchtline aus Metz und schon vor der Emigration mit der Familie George verschwägert.

Melanie v. Treskow war eine Ur-Urenkelin des preussischen Hofjuweliers Daniel Baudesson (1716-1785), dessen Tabatièren für Friedrich den Grossen heute in allen Museen der Welt zu finden sind. Die über drei Generationen geführte Goldschmiede Baudesson et fils in Berlin besaß das königliche Privileg zur Anfertigung des Ordens pour le Merite und hatte im Auftrag Friedrich Wilhelms II. auch noch den opulenten Schmuck für die Gräfin Lichtenau hergestellt, kam aber schliesslich aus der Mode und musste 1806 aufgeben. Die Familie Schüler-Baudesson lebte daraufhin zeitweilig bei Treskows in Friedrichsfelde und beim Staatsrat Friedrich Scharnweber und seiner Frau Marie Schüler-Baudesson im Schloss Hohenschönhausen, bis ihnen Otto Sigismund v. Treskow in Owinsk die Pacht des benachbarten Guts Schokken (Skoki) bei Posen vermittelte.

Louis v. Treskow gab sich mit Wierzonka bald nicht mehr zufrieden. Er wagte den ganz grossen Wurf und erwarb 1851 das Rittergut Gothen auf Usedom mit seinen Dörfern Ahlbeck und Heringsdorf, damals eine Fischersiedlung mit weissem Strand und wenigen Häusern. Badebetrieb gab es hier zwar schon seit 1825, aber Louis war es daran gelegen, den riesigen Gothensee trocken zu legen und damit zusätzliche Anbauflächen zu gewinnen – ein Spekulationsgeschäft, aus dem schliesslich nichts wurde. Er verkaufte seinen Besitz auf Usedom bereits nach fünf Jahren und begrub seine Träume von der schnellen Million. Das grosse Geschäft machten erst 1871 die Brüder Delbrück aus Berlin: sie kauften 200 Hektar Küstenstreifen des Ritterguts Gothen und gründeten damit 1872 die Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf.



Wierzonka ging 1865 an den einzigen Sohn Hugo v. Treskow (1840-1909). Er liess das Herrenhaus durch einen Anbau mit Turm vergrössern, der nur über eine hölzerne und beinahe russisch anmutende Brückenkonstruktion mit dem Altbau verbunden war. Zudem liess er die Vorwerke Karlowitz und Kowalski ausbauen, hier errichtete er beinahe spiegelbildliche Gutshäuser mit jeweils eigenem Park, die fortan auch als Witwensitze und Ferienhäuser für seine fünf Töchter dienten. In Karlowitz lebte bis 1937 als Gutsverwalter der Enkel Magnus Graf Schack v. Wittenau (1900-1937) mit seiner Familie, in Wierzonka selbst wirtschaftete bis 1939 Hugos Ehefrau Angelique v. Reiche (1847-1939) mit einem polnischen Verwalter, in ihren letzten Lebensjahren als über 90-jährige verantwortlich für den Gesamtbetrieb. In dieser Zeit geriet Wierzonka in eine finanzielle Schieflage: 1938 stand das Gut auf der sogenannten Agrarreformliste, die polnische Regierung verlangte eine Abtretung und Zwangsparzellierung von 700 Hektar. Das 400 Hektar große Nebengut Kowalskie (Eichenhof) war bereits 1933 an Wolfgang v. Detmering verkauft worden, der Wierzonka im Aufrag der Treskowschen Erbengemeinschaft bis 1945 als Verwalter bewirtschaftete. Beim Einmarsch der Russen lebte in Wierzonka die unverheiratete Tochter Klara v. Treskow (1871-1951). Das Gut wurde Ende Januar 1945 unter grausamen Begleitumständen geplündert und verwüstet - der Treck aus Wierzonka war nicht mehr rechtzeitig über die Warthe gekommen.

Karlowitz Kowalskie

Nach über vierzig Jahren als LPG wurde Wierzonka im Jahr 2002 wieder privatisiert, der neue Eigentümer Czeslaw Fiedler hat bereits mehrere Gebäude instandgesetzt und viel Liebe in die Neuanlage des Parks investiert. Er will auch das Gutshaus sanieren. Herr Fiedler hat die Familie schon mehrmals nach Wierzonka eingeladen und seine Fortschritte präsentiert. Der Familienfriedhof wurde 2002 von dem Lehrerehepaar Ewa und Wlodimierz Buczynski gemeinsam mit ihren Schüler wiederhergestellt, auch hier gibt es einen sehr freundschaftlichen Kontakt zu den Wierzonka-Nachfahren.. Ein polnischsprachiger Bericht über eines dieser Familientreffen („Wizyta potomkow von Treskowow“) erschien 2004 in der Posener Lokalpresse.