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Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Orte > Friedrichsfelde (1816-1945)


Die Geschichte des Schlosses Friedrichsfelde von seinen holländischen Anfängen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges umspannt 260 Jahre preußischer Geschichte. Die ersten 130 Jahre hat Fontane in seinem Band „Spreeland“ der Wanderungen beschrieben - Friedrichsfelde als Jagdrevier des Großen Kurfürsten, als Lustschloß des Prinzen Ferdinand, als Elternhaus des Prinzen Louis Ferdinand und der Fürstin Luise Radziwill, schließlich als Musenhof der der Herzöge von Kurland und der Herzogin von Holstein-Beck. Das Schloß in Friedrichsfelde war immer präsent in der Geschichte der Hohenzollern, alle preußischen Könige haben hier mehr oder weniger viel Zeit verbracht.

Auch dem Gutsherrn Carl v. Treskow (1787-1846), der Friedrichsfelde 1816 aus dem Besitz der russischen Fürsten Bariatinski erworben hatte, widmete Fontane viele Seiten. Carl hatte seit 1803 die Güter in Owinsk bewirtschaftet und sich 1812 mit seinem Vater derart überworfen, dass er Owinsk den Rücken kehrte und stattdessen das Gut Kade in der Mark erwarb. Das Vermögen seiner Frau Julie Jouanne und des Großvaters Benjamin George ermöglichte dem enterbten Sohn den Ankauf der Gutsherrschaft Friedrichsfelde, die er in den folgenden Jahrzehnten zu einem hochmodernen landwirtschaftlichen Betrieb ausbaute. Zur Seite stand ihm dabei der preußische Landwirtschaftsreformer Albrecht Thaer, mit dem er 1826 eine Landschule einrichtete, in der Jugendliche die neuesten Methoden des Gartenbaus und der Felderbestellung erlernen konnten. Die pädagogischen Ideen hierzu stammten von Pestalozzis Schüler Emanuel v. Fellenberg, dessen Reformschule im Schweizer Yverdon Carl v. Treskow 1824 selbst besichtigt hatte.



Der Zauber des historischen Orts Friedrichsfelde blieb bei aller Modernisierung der Landwirtschaft erhalten, und durch seine prominente Lage am östlichen Ende Berlins blieb Friedrichsfelde immer auch ein beliebter Ausflugsort. Theodor Fontane beschrieb das „Charlottenburg des Ostends“ mit einem abschließenden Seufzer:
„ Eine Parkwiese voll blühender Linden, zwischen den Kronen ein Streifen blauer Himmel und an dem Himmelsstreifen ein Volk weißer Tauben, das, die letzten Sonnenstrahlen einsaugend, sich oben in den Lüften wiegt. Die nahe Hauptstadt samt ihrem Lärm, wir empfinden sie wie hundert Meilen weit. Hier ist Friede!“.

 
Schloss Friedrichfelde war immer ein Bezugspunkt für die ganze Familie, ein Ort für Taufen, Feste und Familientage. Auf dem heute noch bestehenden Familienfriedhof sind bis 1945 viele Verwandte beigesetzt worden. Die letzte Besitzer, Sigismund v. Treskow, hatte den Besitz im Kaiserreich in einen unteilbaren Fideikommis umgewandelt. Sein Neffe Eckardt v. Naso, Chefdramaturg unter Gustaf Gründgens am Schauspielhaus, beschrieb in seinen Lebenserinnerungen den Zustand des Hauses kurz vor dem ersten Weltkrieg: „Vielleicht waren es die ungewöhnlich harmonischen Maße der Innenarchitektur, die jedem Zimmer die Anmut eines Saales, und dem Saal wiederum die Gemütlichkeit eines Zimmers gaben. Vielleicht war es der Duft der vielen Blumen, die überall in Vasen geordnet standen, prangend in ihrer Fülle und eigentlich unsichtbar, wie die Standuhren des Empire, die Spiegel, Schränke und Kommoden aus edelstem Holz. Man sah sie und man sah sie nicht. Sie alle gingen in ein Ganzes über, in eine bewohne Gesamtheit, die so mühelos in sich geeint war, daß man die Teile nicht mehr wahrnahm ... An Wochentagen ... , in den Stunden des Vormittags und Abends, schienen Haus und Park wie in einem Märchenschlaf verzaubert. Man vernahm keinen Laut. Die Wirtschaftsgebäude, Remisen und Ställe lagen weit ab. Das Schloß selbst schwieg. Es war so still, daß man das Ticken der großen Uhren aus den Zimmern bis in den Treppenflur hören konnte ... Die Uhren tickten, die Zeit  lief. Sie lief furchtbar schnell, den Kriegen entgegen, dem Untergang, der Zerstörung zu. Noch spürte man sie nicht. Sie schien still zu stehen. Zwischen Zukünftigem und Vergangenem ruhte die Gegenwart in sich selbst.“


Im Januar 1945 wurde Friedrichsfelde Durchgangsstation für die Flüchtlingstrecks der Familie aus dem Osten. Im Keller des Schlosses wurde ein Luftschutzraum eingerichtet. Eine Schilderung dieser Tage gibt es von Eva v. Rosen, der Frau des Neffen und Adoptivsohns Hans v. Rosen, die Anfang Januar 1945 allein mit sechs Kindern von Grocholin nach Friedrichsfelde aufgebrochen war:
 
„ 31. Januar 1945. Gegen 17 Uhr sind wir in Bernau, noch bis Friedrichsfelde zu fahren ist unmöglich. Die Pferde sind müde ... Ich melde uns telefonisch bei Onkel Münte an, dann fahren wir schnell und bequem mit der S-Bahn nach Friedrichsfelde ... Ich bin dankbar, dass wir heute nicht an fremden Türen um Aufnahme bitten müssen. Hier sind wir keine namenlose Flüchtlinge, hier sind wir halb zu Hause, der Tisch ist auch für uns gedeckt ... (Der Diener) Kurt serviert, (auch) wenn es nur ein paar Wurstscheiben sind, die er auf silberner Platte herumreicht. Der gepflegte, herrschaftliche Stil wird bewahrt. ... Ich bin froh, als ich endlich auch schlafen gehen kann. Unsere drei Kleinen schlafen so friedlich in ihren Betten. Dankbarkeit gegen Gott, der uns bis hierher gnädig geführt hat, erfüllt mein Herz. Ihm will ich uns weiterhin anvertrauen. Ich bin kaum eingeschlafen ...  da heulen die Sirenen: Fliegeralarm! ... Ich nehme die schlafenden Kinder auf  den Arm und wir eilen alle hinunter in den Luftschutzkeller. Der ist gut hergerichtet, rundherum Bänke an den Wänden, in der Mitte, an einem Pfeiler, steht der Armsessel für Onkel Münte, den „Fürsten von Friedrichsfelde“. Eine Menge Menschen strömt herein, die alle zum Schloß gehören. Da sitzen wir nun ohnmächtig im Keller undhören rundherum die Bomben detonieren. Ein schauderhaftes Gefühl, wehrlos den Bomben ausgeliefert zu sein ... Die Luftangriffe sind mir unheimlich, noch unheimlicher aber ist der wieder stärker zu hörende Kanonendonner, der heute ... so stark ist, dass die Fensterscheiben klirren. Die Russen belagern Küstrin ... Onkel Münte ist achtzig Jahre alt. Ein Leben lang hat er sich bemüht, ein guter Sachwalter seines ererbten Besitzes zu sein ... Nun muß er am Ende seines Lebens erleben, wie diese seine Welt zusammenbricht ... Früh am anderen Morgen verabschieden wir uns (von ihm) ... Eine ungewisse, fremde Zukunft liegt vor uns. Der Tag ist so schön, die Sonne scheint, eine Ahnung von Frühling liegt in der Luft. Das Leben könnte so schön sein, wenn der Mensch nicht Schrecken und Tod verbreitete.“
 
Im Mai 1945 musste Sigismund v. Treskow Schloss Friedrichsfelde verlassen, er starb wenige Tage später und wurde noch auf dem Familienfriedhof beigesetzt. Der Übergang in die Neue Zeit kam nahtlos. Noch im Mai 1945 wurde Schloss Friedrichsfelde der selbständigen Trophäenkompanie der V. Armee zugewiesen. Ende Mai 1945 richtete das Komitee für Kunstangelegenheiten bei dem Rat der Volkskommissare der UdSSR hier ein Depot ein: die beschlagnahmten Kunstschätze aus Berliner Museen wurden nach Friedrichsfelde gebracht, katalogisiert, verpackt, und auf die Reise nach Moskau geschickt. Als das Depot im September 1945 aufgelöst wurde, waren auch die wertvollsten Stücke des Schlossinventars verschwunden: 1000 Bände Literatur in Ausgaben des 18. und 19. Jahrhunderts, 27 Bilder (darunter vier von Schinkel), Gravuren, Glas,  Möbel, Silber, verpackt in 15 Kisten, die einen halben Eisenwahnwaggon füllten. Zusammen mit dem Inventar der geplünderten Slowakischen Mission in der Eichenstraße brachte es die Fracht auf das Gewicht von 8,5 Tonnen. Sie wurden mit geheimen Frachtbrief am 22. Juli 1945 mit dem Militärzug Nr. 177  auf die Reise nach Moskau geschickt.




Einzelne Inventarstücke verblieben immerhin am Ort. Charlotte v. Mahlsdorf behauptet in ihren Memoiren, sie habe 1946 in mehreren Räumen des Schlosses Möbel deponiert. 1947 begann der Ausbau des Schlosses zu einem Erholungsheim für Bauarbeiter. Die Frontgiebel des Hauses wurden hierzu abgetragen, um Platz für zusätzliche Mansardenfenster zu schaffen. Als Baumaterial diente das sog. Gotische Haus aus der Zeit um 1800, das an der Stelle des heutigen Lenné-Tempels stand. Es hatte den Krieg unbeschadet überstanden und wurde nun abgerissen. Der Park verwilderte, es entstanden Sportstätten und ein Fußballplatz. Ein Konzept zur Wiederherstellung der Gesamtanlage wurde erst 1954 mit der Eröffnung des Tierparks gefunden. Als die DDR 1955 den als Gegenstück zum Westberliner Zoologischen Garten neu eingerichteten Tierpark eröffnete, wurde das Schloss in den Park einbezogen. Unter außerordentlichen Anstrengungen der DDR-Denkmalpflege und unter großem persönlichen Einsatz des Tierparkdirektors Prof. Heinrich Dathe wurde das nach Jahrzehnten der Vernachlässigung bereits vollständig verrottete Schloss buchstäblich wiedergeboren. Wertvolle Wandbespannungen aus zerstörten Schlössern der Mark wurden in Friedrichsfelde neu montiert. Nach einer grundlegenden Sanierung des Baus in den Jahren 1970-1981 wurde das Schloss als Museum wiedereröffnet. In den 1980er Jahren wurde das barocke Nordparterre mit seinen holländischen Brücken und Kanälen wiederhergestellt. Das Museumskonzept wurde auch nach der Wende beibehalten, die Stiftung Stadtmuseum möblierte das Haus mit wertvollen Ausstattungsstücken und veranstaltete bis 2008 regelmäßig Konzerte im frühklassizistischen Festsaal. Leider konnte sich dieses Konzept aus Kostengründen nicht dauerhaft durchsetzen. Seit dem Abzug der Exponate des Stadtmuseums und der Übertragung des Schlosses an den Tierpark im Jahre 2009 werden die Konzerte und Veranstaltungen im Festsaal vom Freundeskreis Hauptstadtzoos unter Leitung von Thomas Ziolko durchgeführt. Anlässlich des 330-jährigen Schlossjubiläums wurde 2014 im Hendrik Bäßler Verlag Berlin die erste Gesamtdarstellung der Schlossgeschichte veröffentlicht. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten konnte 2015 auch der Familienfriedhof im Tierpark renoviert und mit einer neuen Wegeführung erschlossen werden.



Literatur:   
Theodor Fontane: Friedrichsfelde, in: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Spreeland,
Eckardt v. Naso: Ich liebe das Leben, Hamburg 1953.
Hans v. Rosen: Grocholin. Geschichte eines deutschen Guts in Posen, Lehr 1985.
Ernst Wipprecht: Schloss Friedrichsfelde - ein Schicksal zwischen Abriss und Ausbau zum Museumsschloss, in: Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum, Bd. 5, Berlin 1999, S. 178-294.
Klaus-Dieter Stefan (Hrsg.): Friedrichsfelde. Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte. Mit Beiträgen von Ernst Wipprecht, Thomas Ziolko, Olaf Lange, Dr. Rüdiger v. Treskow und Klaus-Dieter Stefan. Berlin 2014.