Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Personen > Barbara v. Treskow (1895-1972), Journalistin

* Biedrusko 8. 1. 1895, + Wedel bei Hamburg 8. 3. 1972; ev.; Journalistin; verh. 1918 mit Walter Schubert (1890-1946), Gutsherr auf Nieder-Kaiserswaldau (Okmiany Dolny) bei Liegnitz, geschieden 1922; V Albrecht v. Treskow, Gutsherr auf Biedrusko (1845-1901); M Martha, geb. Gundlach (1863-1930); G Susanne (1888-1917), Albrecht (1891-1946), Joachim (1893-1913), Ferdinand (1896-1955); S Peter Schubert, *1919; T Brigitte Schubert, *1921.

Barbara v. Treskow wurde als Journalistin und Aktivistin für die Belange berufstätiger Frauen und Mütter bekannt. Aus dem ländlichen Biedrusko und Altenplathow führte sie bereits das Studium nach Berlin, und das Grosstadtleben ließ sie fortan nicht mehr los. Eine noch während des ersten Weltkriegs geschlossene Ehe scheiterte bereits nach vier Jahren: der Lebensentwurf als preußische Gutsfrau in der schlesischen Provinz erwies sich als Sackgasse. Mit zwei kleinen Kindern kehrte sie 1922 nach Berlin zurück, zunächst als freie Autorin und später als feste Mitarbeiterin und Hauptschriftleiterin in der Zeitschriftenredaktion von Ullstein. Der Legende nach erfand sie hier mit ihren Mitstreiterinnen die Frauenzeitschrift "Brigitte". Wahr daran ist, dass Ullstein seit 1904 das "Blatt der Hausfrau" herausgab und ihm seit den 1920er Jahren Schnittmuster beilegte. Hermann Ullstein erfand hierfür 1926 den Werbe-Slogan: "Sei sparsam Brigitte, nimm Ullstein-Schnitte!".

Dass Barbara v. Treskows fünfjährige Tochter auch Brigitte hiess, mag hierbei Anlass oder Zufall gewesen sein. - ihr journalistischer Schwerpunkt lag zu dieser Zeit jedenfalls bei der als elitär und snobistisch verschrieenen Ullstein-Zeitschrift "Die Dame". Diese Zeitschrift vereinigte alles, was den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war: „Die Dame“ veröffentlichte Texte von Tucholsky, Ringelnatz, Brod und Klabund, druckte erstmals die „Traumnovelle“ von Stefan Zweig, bewarb die jüdischen Modehäuser Gerson und Manheimer und garnierte ihre Beiträge mit Gesellschaftsklatsch und zuweilen auch Aktbildern berühmter Ausdruckstänzerinnen. 1929 berichtete „die Dame“ ausführlich über die Berliner Tagung des Weltverbandes für Frauenwahlrecht. Nach 1933 mussten neben der Chefredakteurin Anna Wedekind-Pariselle auch Anita Daniel, Johanna von der Hellen und Steffi Schäfer-Nathan „Die Dame“ verlassen. Gleiches galt für jüdische Autorinnen wie Vicki Baum, die bereits 1932 nach Hollywood emigriert war.

Barbara v. Treskow war 1933 nominelle Chefredakteurin des „Blatts der Hausfrau“ und übernahm 1932 bis 1943 die Chefredaktion der „Neuen Modewelt“, einer weiteren Ullstein-Frauenzeitschrift mit rund 100.000 Auflage, in deren Redaktion bis zu seiner Emigration im Jahre 1938 auch Sebastian Haffner tätig war. Haffner erinnerte sich in einem Interview 1989: „Es gab eine neu gegründete, aus mehreren zusammengefasste Zeitschrift, die sich "Neue Modewelt" nannte und die eine Beilage, "Die kleine Zeitung", hatte. Das war eine etwas snobistische, etwas auf Mode, etwas auf das, was man damals für Frauenfragen hielt, ausgerichtete "kleine Zeitung" feuilletonistischer Art. Deren Redakteur war ich. Das war 1937. Davon lebte man gar nicht ganz schlecht, und man hatte wirklich auch noch das Gefühl, man lebt in einer Nicht-Nazi-Welt.“ Im Februarheft 1939 der „Dame“ stellte Barbara v. Treskow in einem namentlich gekennzeichneten Beitrag einen Text des kurz zuvor verstorbenen amerikanischen Autors Thomas Wolfe vor, den sie auch selbst übersetzt hatte. Wenige Monate vor Kriegsbeginn kam hier ein Amerikaner zu Wort, dessen bei Ernst Rowohlt verlegten Bücher seit seiner 1937 in den USA veröffentlichten Abrechnung mit Hitler („I have something to tell you“) in Deutschland verboten waren, und der schmerzvoll Abschied nahm: „So bin ich nun, da ich Deutschland in wenigen Tagen verlasse, erschöpft, und fühle mich wie ausgewrungen ... Ich werde es überleben. Man stirbt nicht an liebender Freundschaft.“

Neben der Zeitschriftenredaktion verfolgte Barbara v. Treskow eigene Buchprojekte. 1932 veröffentlichte sie bei Ullstein das mit Johannes Weyl gemeinsam herausgegeben "Lexikon der Hausfrau", in dem pragmatische und praktische Tips zu Gesundheit, Recht und Lebensführung gesammelt wurden. Zu den Mitarbeitern des Lexikons zählten u.a. bekannte jüdische Autoren wie der Berliner Frauenarzt Rudolf Katz und die Kinderpsychologin Nelly Wolffheim, die nach 1945 durch ihre Arbeit mit traumatisierten Kindern aus Konzentrationslagern bekannt wurde. 1935 erschien ebenfalls bei Ullstein Treskows Buch "Die Küche und ihre Jahreszeiten", gemeinsam verfasst mit Erich Urban. Was heute als biederes Kochbuch daherkommt, war bei Lichte besehen ein Reformwerk: die Frau sollte nicht nur ihre Küche, sondern ihr Leben organisieren. Bei diesen Büchern standen Barbara v. Treskow profilierte Journalisten zur Seite: Johannes Weyl war Leiter des Zeitschriften-Zentralbüros bei Ullstein und 1945 der Gründer des "Südkuriers", Erich Urban war der stadtbekannte Musikkritiker der "Berliner Morgenpost".

 

Nach 1933 fiel auch "Das Blatt der Hausfrau" unter die Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Die jüdische Familie Ullstein, die den Faschismus unterschätzt hatte und mit „verächtlichem Schweigen" in ihren Zeitungen strafen wollte, mußte 1934 ihr Presse-Imperium zu einem Zehntel seines Wertes verkaufen. Das Schweigen der Ullstein-Blätter zu politischen Themen war nun anderer Natur. Auch Barbara v. Treskows Bruder Albrecht, Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und Mitarbeiter des 1932 abgesetzten preußischen Innenministers Carl Severing, war 1933 vorübergehend in Schutzhaft geraten. Als Hauptschriftleiterin des nunmehr „Deutschen Verlags“ arbeitete Barbara v. Treskow fortan neben der „Neuen Modewelt“ nun auch für das "Blatt der Hausfrau", das unter weitgehendem Verzicht auf NS-Ideologie mit einer Auflage von 575.000 die zweitgrößte deutsche Frauenzeitschrift blieb – hinter der „NS-Frauen-Warte“. Statt Durchhalteparolen bot das Blatt Mode, Handarbeiten, Belletristik und Schnittmuster. Barbara v. Treskow organisierte von 1932 bis 1944 zudem über 300 „Brigitten-Tage“, politikfreie bunte Abende und Showprogramme für Frauen in Berlin. Diese Programme fanden jeweils von September bis Mai fünf- bis sechsmal im Monat statt, wobei pro Veranstaltung bis zu 2000 Eintrittskarten verkauft wurden. Zum 100. „Brigitten-Tag“ im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt am 26. Februar 1932 bestritten Dolly Haas, Claire Waldorff und Otto Reutter das Programm.

1938 holte Barbara v. Treskow ihre Freundin Annedore Leber als Leiterin der Schnittmuster-Abteilung zu Ullstein, eine Nachbarin aus dem Eisvogelweg in der Zehlendorfer Bruno-Taut-Siedlung. Annedore Leber war die Ehefrau des 1933-1937 im KZ Sachsenhausen inhaftierten und im Januar 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Julius Leber. Gegenüber der Gestapo wurde argumentiert, dass Frau Leber unverzichtbar für den devisenbringenden Export von Schnittmustern sei. Bei allen Behinderungen des Alltags blieb die Zeitschriftenredaktion des Deutschen Verlags um Johannes Weyl ein Ort der geistigen Freiheit, zumindest gab es hier keine Mitglieder der NSdAP. Annedore Leber leitete die Schnittmusterabteilung bis zu ihrer Verhaftung im Juli 1944. Rückblickend schrieb sie in den Nachkriegsjahren, als sie längst eine prominente SPD-Politikerin an der Seite von Willy Brandt geworden war, dass der geistige Einfluß von Johannes Weyl im Deutschen Verlag „das Positivste meiner damaligen Tätigkeit“ war.

Februar 1941 in Berlin: Der Karikaturist Albert Schaefer-Ast, Olga v. Stechow, der Rowohlt-Lektor Peter Zingler, Ernst Rowohlt, Barbara v. Treskow, der Theaterkritiker der „Frankfurter Zeitung“ Max Geisenheyner, die Textildesignerin Maria May. Stehend: Die Wirtin „Mutter Schütze“, der Schriftsteller Wilhelm v. Nohara und Barbara v. Treskows Sohn Peter Schubert.

Das "Blatt der Hausfrau" überstand alle Katastrophen und wurde ab 1949 fortgesetzt. Bereits am 3. Oktober 1945 hatte der Deutsche Verlag in Hamburg erfolglos die Lizenz für eine neue Frauenzeitschrift unter dem Namen „Brigitte“ beantragt, die das „Blatt der Hausfrau“ ablösen sollte. Ab 1952 wurde nun schräg vor den alten Titel der Schriftzug „Brigitte“ gesetzt, der im Laufe der Zeit immer größer wurde. Das „Blatt der Hausfrau“ schrumpfte zum Untertitel zusammen und verschwand 1954 ganz vom Cover. Barbara v. Treskow war bereits 1950 nach Hamburg umgezogen, das Berlin als Pressehauptstadt zunehmend den Rang ablief. Auch der Berliner Freund Ernst Rowohlt hatte hier 1946 seinen neuen Verlag gegründet. Diese Beziehungen reichten weit in die Vorkriegszeit zurück, Rowohlts Berliner Verlag war bereits 1931 zu zwei Dritteln von Ullstein übernommen worden. 1957 zog schliesslich auch die "Brigitte"-Redaktion nach Hamburg um.

Barbara v. Treskow hatte sich zu dieser Zeit schon längst von der „Brigitte“ verabschiedet, sie leitete 1952-1957 das Ressort „Frauen und Mode“ beim liberalen „Hamburger Anzeiger“. Hier berichtete sie von den Pariser Modeschauen, rezensierte aber auch die Neuerscheinungen von Thomas Mann und Tennesee Williams, sofern hier Frauenthemen berührt waren. Chefredakteur war der spätere Hamburger FDP-Fraktionschef Alfred Frankenfeld. Die politische Dimension der Frauenfrage ergab sich fast schon aus den alltäglichen Lebensumständen der Nachkriegszeit. 1950 hatte Barbara v. Treskow gemeinsam mit ihrer aus Berlin nach Hamburg übergesiedelten Studienfreundin Maria May den "Verein für berufstätige Frauen" gegründet, die deutsche Niederlassung des US-Verbandes "Business and Professional Women". Der erste deutscher Ableger in Berlin war 1933 von den Nazis verboten worden. Die Textildesignerin Professor May war 1950-1956 Vorsitzende, die Journalistin Barbara v. Treskow Geschäftsführerin. Gemeinsam wandten sie sich in der "ZEIT" vom 21. Dezember 1950 ("Weiblicher Einfluß in der Politik – Zwischen Aktivität und Mütterlichkeit") gegen die herablassende Wahrnehmung der weiblichen Abgeordneten des neuen Bundestags:

"Parlamentarierinnen", so Treskow, " haben ebenso wenig die Verpflichtung "Pin up girls" zu sein wie Parlamentarier "Sonny boys". Und Maria May ergänzte: "Frauen repräsentieren 7,2 v. H. der Abgeordneten im Bundestag. Selbst wenn jede einzelne von ihnen ein parlamentarisches Genie wäre, könnte sie die Kinderkrankheiten des deutschen Parlamentarismus nicht kurieren. Sie machen also zwangsläufig diese Kinderkrankheiten mit. Sie haben ein gewisses Suffragettentum und schlichte Mütterlichkeit, Zuhören und Aktivwerden noch nicht zu einem neuen Typus politischer Frauen verarbeitet, ebenso wie die männlichen Abgeordneten noch nicht ihre Balance zwischen überaktiven Autokraten und sachlich ungeschulten Gefolgsmännern gefunden haben. … Es ist nicht der Fehler dieser Frauen, daß in Deutschland keine geschulte jüngere Generation da ist, die diese Aufgabe übernehmen könnte. Es ist aber ihr Verdienst, daß sie Wurzeln in der Vergangenheit haben, zu der wir die Brücken notwendig brauchen."

Der Hamburger Verein veranstaltete 1952 die „Woche der berufstätigen Frau“ und 1954 das erste UNO-Seminar mit Fachreferentinnen aus dem In- und Ausland. Beide Veranstaltungen sollten auf die Rolle der berufstätigen Frau in der Gesellschaft aufmerksam machen und zielten auf gesellschaftliche Veränderungen, nicht nur in Deutschland. Noch 1964 leitete Barbara v. Treskow eine Frauendelegation nach Moskau, Leningrad und Sibirien, um die Rolle der berufstätigen Frau in der Sowjetunion zu studieren. Daneben hielt sie eine nach dem Krieg versprengte Familie zusammen, als langjährige Vorsitzende und moralischer Kompass des Familienverbandes.

Literatur:
Tanja Fabian: Analyse der Zeitschrift „Die Dame“ 1932 – 1941 unter besonderer Berücksichtigung des nationalsozialistischen Einflusses auf die Mode, Diplomarbeit Wien 2006, S. 105.
Ullstein, Frederik: Ein Herr über eine Dame. In: Ferber, Die Dame, 1980, S. 16.
Sylvia Lott-Almstadt: Brigitte 1886-1986. Die ersten hundert Jahre. Chronik einer Frauenzeitschrift, Hamburg 1986, S. 111, 146 ff.