Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Personen > Elisabeth v. Treskow (1860-1922)

* Berlin-Friedrichsfelde 15. 5. 1860, + Berlin 2. 10. 1922; ev.; verh. 1879 mit dem kgl. preuß. Kammerherrn und kaiserl. Zeremonienmeisters Leberecht v. Kotze (1850-1920); V Carl v. Treskow (1819-1883), Gutsherr auf Friedrichsfelde; M Adelheid, geb. Gräfin v. Haeseler (1833-1908); G Sigismund (1864-1945, Landrat, Gutsherr auf Friedrichsfelde; T Ursula v. Kotze (1883-1971), verh. 1909 mit Hans v. Criegern und 1921 mit Karl v. Köckritz.

Elisabeth v. Treskow spielte 1894 eine zentrale Rolle in der sogenannten „Kotze-Affäre“, die späteren Generationen als Fanal des maroden Kaiserreichs und des persönlich Regiments Wilhelms II. galt. Elisabeth hatte 1879 als 19-jähriges Mädchen in Friedrichsfelde den späteren Kammerherrn Leberecht v. Kotze geheiratet, einen modischen Geck und karrierrebewußten Höfling. Kotze galt 1894 als Verfasser einer Vielzahl obszöner Briefe, die seit 1891 an Mitglieder der Hofgesellschaft verschickt worden waren, und wurde am 16. Juni 1894 auf Befehl des Kaiser verhaftet. Die Verhaftung erwies sich schon bald als schwerwiegender Fehler des Kaisers mit unvorhergesehenen politischen Konsequenzen: Der Berliner Gouverneur v. Pape und der Oberstkämmerer Fürst zu Stolberg-Wernigerode mussten ihren Abschied einreichen, nachdem sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe erwiesen hatte, Kotze wurde bereits am 5. Juli 1894 aus der Haft entlassen. Ein auf Anweisung des Kaisers zusammengestelltes Kriegsgericht sprach Kotze im März 1895 aus Mangel an Beweisen frei. Der Kaiser hatte sich hinreichend blamiert und schickte Kotze als Zeichen der Rehabilitierung Blumen und ein Osterei, der gedemütigte Zeremonienmeister duellierte sich jedoch mit zweien seiner angeblichen Verleumder und tötete seinen langjährigen Kollegen, den kaiserlichen Zeremonienmeister Karl Freiherr v. Schrader. Die liberale Presse machte Wilhelm II. für diese Duelle persönlich verantwortlich. Der konservative „Reichsbote“ notierte, dass der Fall Kotze „an Royalismus im Lande mehr zertrümmert“ habe „als jahrelange Ideenarbeit treuer Monarchieanhänger wieder aufbauen könnten“, andere sahen in dem Hofskandal eine Bankrotterklärung des monarchischen Systems und einen „Stempel der Fäulnis“ auf der Hofgesellschaft. Erst viele Jahrzehnte später kam an den Tag, dass der Urheber der obszönen Briefe nicht Leberecht v. Kotze, sondern der Bruder der Kaiserin gewesen ist, Herzog Günther von Schleswig-Holstein.

Elisabeth v. Kotze ergriff 1894 die Partei ihres verhafteten Mannes und bestürmte die älteste Schwester des Kaisers, die Erbprinzessin Charlotte von Sachsen Meiningen, sich für den Häftling einzusetzen. Charlotte bezeichnete Elisabeth in privaten Briefen als „meine älteste und beste Freundin“, und nach Kotzes Freilassung 1895 schrieb sie: „Kotze endlich freigesprochen, aber seit gestern schlimm verletzt, Folgen des ersten Duells: Ich schaudere, wenn ich an die anderen denke, die noch kommen werden: seine Frau ist so mutig & benimmt sich vorbildlich, ihre Briefe an mich in diesen Tagen sind, wegen Ihrer Geisteskraft & Wille, bewunderungswürdig: aber die lange, 10 monatige Belastung muß sich bald auf ihren Nerven abzeichnen: das liebe Ding, wie sehne ich mich danach, ihr jetzt helfen zu können und sie zu trösten!!“ Tatsächlich bedeutete die Affäre und der Mord ihres Mannes an Karl v. Schrader das Ende ihrer Ehe und ihrer gesellschaftlichen Existenz. Das Paar ließ sich zwar nicht scheiden, zog sich aber nach Oberschreiberhau im Riesengebirge zurück und lebte auf Abstand miteinander. So schilderte es zumindest ihr Neffe Eckard v. Naso, damals junger Dramaturg am königlichen Schauspielhaus:

„ Sie war eine erstaunliche Frau. Seit 1900 etwa gelähmt, lebte sie in ihrem fahrbaren Rollstuhl mit einer Grandezza, als wären ihre unteren Gliedmaßen nicht schrecklich tote, völlig unbewegliche Dinger. Über der Gürtellinie war sie beweglich und von großartiger Vitalität: eine der Renaissance-Naturen, denen nichts geschehen kann ... ihre Willenskraft und die Souveränität ihrer Persönlichkeit waren unwiderstehlich. Dabei hatte diese Frau ein – für die damalige Zeit – schweres Schicksal hinter sich. Sie fiel, oder ihr Mann Leberecht v. Kotze fiel, von einem Tag zum anderen aus der kaiserlichen Gnadensonne in ein Nichts ... Kotze war ein wohlhabender Mann und lebte nunmehr – ein charmanter Müßiggänger – neben seiner gelähmten Frau, die ihn lächelnd übersah.“

Elisabeth überlebte ihren Mann und kehrte in ihr Elternhaus Schloss Friedrichfelde zurück, wo sie 1922 auf dem Familienfriedhof beigesetzt wurde.


Literatur:
John Röhl: Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie 1888-1900, München 2001, S. 741- 755.
Eckart von Naso, Ich liebe das Leben, Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten, Hamburg 1953, S. 387-388.