Familienverband der Familie v. Treskow
 


Startseite

Über uns

Orte

Personen
Personen

Kontakt/Impressum

Mitglieder


 

 

 

Personen > Carl v. Treskow (1819-1882), Politiker

* 27. 8. 1819 Friedrichsfelde, + 22. 6. 1882 Friedrichsfelde; ev.; ERdJO; Politiker; verh. 1854 mit Adelheid, geb. Gräfin v. Haeseler (1833-1908); Abgeordneter der Konservativen Partei; 1867 Mitglied des Konstituierenden Deutschen Reichstags; 1867-1870 Mitglied des Norddeutschen Reichstags; 1868-1870 Mitglied des Zollparlaments; 1871-1874 Mitglied des Deutschen Reichtags; Gutsherr auf Friedrichsfelde und Karlshorst; Mitherr auf Strzelce; Parade-Leutnant der Landwehr-Kavallerie a.D.; V Carl v. Treskow (1787-1846), Gutsherr auf Friedrichsfelde; M Julie, geb. Jouanne (1791-1852); G Hermann (1813-1894), Marie v. Enckevort (1814-1879), Mathilde v. Chappuis (1815-1893), Rudolf (1816-1893), Julius (1818-1893), Heinrich (1823-1886), Elisabeth Reichsgräfin v. Lüttichau (1824-1879), Ludwig (1832-1897); S Sigismund (1864-1945), T Elisabeth v. Kotze (1860-1922).

Carl v. Treskow war als konservativer Politiker und Abgeordneter ein unmittelbarer Augenzeuge der Reichsgründungszeit. Allerdings beschränkte er sich in seiner Zeit als Abgeordneter auf die Interessen seines Wahlkreises Niederbarnim im Regierungsbezirk Potsdam und hielt sich ansonsten im Hintergrund. Die Konservative Partei dieser Jahre kämpfte für die Bewahrung der monarchischen Vorrechte, für die Stärkung der Religion, für die Bekämpfung der Sozialdemokratie und gegen Zentralismus und Parlamentarismus. In den Jahren 1871-1877 setzte die Partei sich deutlich von Bismarck und der ihn unterstützenden Freikonservativen Partei ab. Unter Carl v. Treskow wurde Schloss Friedrichsfelde ein Treffpunkt der konservativen Kräfte des neuen Kaiserreichs. Der gradezu liberale Ton, der zu Zeiten seiner Eltern dort vorgeherrscht hatte, verflüchtigte sich in den 1850er Jahren. Durch seine 1854 erfolgte Eheschließung mit Adelheid Gräfin v. Haeseler hatte Carl in eine der tonangebenden Familien des Hofes eingeheiratet: Adelheids Schwester war die Schriftstellerin und Saloniere Helene v. Hülsen (1829-1892), verheiratet mit dem Hoftheaterintendanten Botho v. Hülsen. Die beiden Söhne dieses Paares waren der Hoftheaterintendant Georg Graf v. Hülsen-Haeseler (1858-1922) und der Chef des Militärkabinetts General Dietrich v. Hülsen-Haeseler (1852-1908). Carl v. Treskows eigene Kinder wuchsen in einer hocharistokratischen Umgebung auf, die Schwester Kaiser Wilhelms II. Charlotte bezeichnete Elisabeth v. Treskow rückblickend als ihre beste Jugendfreundin. Die Verhältnisse in Friedrichsfelde waren mit den Lebensumständen der restlichen Familie nicht mehr vergleichbar, die Verwandten in Posen lebten sehr viel bescheidener, auch wenn Friedrichsfelde stets der Treffpunkt für Familientage und Festlichkeiten blieb.

Die enormen gesellschaftlichen Gegensätze dieser Epoche spielen sich auch in Friedrichsfelde direkt vor der Haustüre ab. So hatte Carl v. Treskow 1880 25 Hektar des nördlichen Gutsgeländes an die Stadt verkauft, die hier 1881 mit dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde den ersten nichtkonfessionelle Begräbnisstätte Berlins eröffnete. Zur Beisetzung des Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht erschienen am 12. August 1900 150.000 Trauergäste in Friedrichsfelde. Die Beisetzung des SPD-Fraktionschefs Paul Singer im Jahre 1911 geriet gar zu einer vorrevolutionären Demonstration mit über 1 Mio. Teilnehmern.

Carls größter Verdienst war es zweifellos, Theodor Fontane nach Friedrichsfelde gebracht zu haben. Fontanes erste Beziehung zu Friedrichsfelde geht bereits auf das Jahr 1860 zurück, als er den Auftrag zur Erstellung der Denkmalbeschreibung für Albrecht Thaer erhielt. Er bat Carl v. Treskow um briefliche Mitteilung über das Leben seines Vaters und widmete diesem eine eigene kleine Biographie. Hieran anknüpfend entstand wohl der Vorsatz, Friedrichsfelde auch als eigenes Kapitel für die „Wanderungen“ zu bearbeiten, und am 24. August 1862 folgte er erstmals einer Einladung Carl v. Treskows, sich in Friedrichsfelde näher umzusehen. Das Projekt blieb dennoch acht Jahre liegen. Erst im Mai 1870 wurde es wieder aufgegriffen, und am 18. und 19. Mai 1870 fuhr er ein zweites Mal nach Friedrichsfelde. Carl v. Treskow fuhr mit ihm das ganze Gutsgelände ab, erläuterte ihm die Geschichte des Schlosses und der Landschule, und im Juni 1870 wurde der Aufsatz fertiggestellt. Als Quellen nannte Fontane „briefliche und mündliche Mitteilungen, besonders des Herrn v. Treskow“. Offenbar gefiel es ihm im „Charlottenburg des Ostends“, er verliebte sich in die Atmosphäre des Ortes und ließ seinen Beitrag mit dem Seufzer enden: „Eine Parkwiese voll blühender Linden, zwischen den Kronen ein Streifen blauer Himmel und an dem Himmelsstreifen ein Volk weißer Tauben, das, die letzten Sonnenstrahlen einsaugend, sich oben in den Lüften wiegt. Die nahe Hauptstadt samt ihrem Lärm, wir empfinden sie wie hundert Meilen weit. Hier ist Friede!“.

Fontane kam auf dieses Bild immer wieder zurück. Selbst 25 Jahre später, als er den Stechlin niederschrieb, baute er seine Erinnerungen an Friedrichsfelde in die Romanhandlung ein, indem er den jungen Stechlin und Melusine auf einer Müggelsee-Kahnfahrt über Friedrichsfelde parlieren läßt: „Urplötzlich aber stieg gerad aus dem Dunkel heraus ein Lichtstreifen hoch in den Himmel und zerstob da, wobei rote und blaue Leuchtkugeln langsam zur Erde niederfielen. „Wie schön“, sagte Melusine, „das ist mehr, als wir erwarten durften. Ende gut, alles gut - nun haben wir auch noch ein Feuerwerk. Wo mag es sein? Welche Dörfer liegen da drüben? Sie sind so gut wie ein Generalstäbler, lieber Stechlin, Sie müssen es wissen. Ich vermute Friedrichsfelde. Reizendes Dorf und reizendes Schloß. Ich war einmal da. Die Dame es Hauses ist eine Schwester der Frau von Hülsen. Ist es Friedrichsfelde?“ „Vielleicht, gnädigste Gräfin. Aber doch nicht wahrscheinlich. Friedrichsfelde gehört nicht in die Reihe der Vororte, wo Feuerwerke sozusagen auf dem Programm stehen. Ich denke, wir lassen es im Ungewissen und freuen uns der Sache selbst ... Wahrscheinlich ist es Düppel oder der Übergang zu Ahlsen.“
Für die zeitgenössischen Leser war dies purer Gesellschaftsklatsch. Natürlich war die Dame des Hauses, Adelheid v. Treskow, eine Schwester der Schriftstellerin Helene v. Hülsen. Und natürlich steht Friedrichsfelde für preußische Strenge, während die neureiche Ahlsen-Kolonie am Wannsee als ein Ort belächelt wird, in dem Feuerwerke „sozusagen auf dem Programm stehen“. Das Ehepaar Treskow traf Fontane wieder in Ragaz, im August 1875, wo man sich gemeinsam im „Chalet Imperatrice“ eingemietet hatte. Fontane berichtete darüber in seinen Tagebüchern. Noch viele Jahre später knüpfte er in seinem erfolgreichsten Roman Effi Briest an seinen Eindrücken an, die er mit den Besuchen in Friedrichsfelde verband: in den ersten handschriftlichen Entwürfen des Romans aus dem Winter 1889 heißt seine in einer preußischen Idylle aufgewachsene Heldin Betty v. Treskow, ihr strenger Ehemann Geert v. Instetten trug vorübergehend den Namen Hugo v. Treskow.

Literatur:
Nachlass Adelheid v. Treskow, Staatsbibliothek Berlin.
Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. Spreeland, Art. Friedrichsfelde.