Familienverband der Familie v. Treskow
 


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Personen > Walter v. Treskow (1855-1923), Rennstallbesitzer

* 23. 6. 1855 Chodowo bei Kutno, + 13. 2. 1923 Küstrin; Rennstallbesitzer; verh. mit (I.) Alwine, geb. Glier (1862-1928) und (II.) Catharina, geb. Härtel (1873-1937); V Hermann v. Treskow (1813-1894), Rittergutsbesitzer in Chodowo; M Adelheid, geb. v. Kraewel; G Karl (1846-1934), Hermann (1848-1921), Alexander (1856-1939); T (I) Anita (1888-1944), (II) Sophie-Charlotte Helvetia (1897-1960).



Walter v. Treskow wurde als Pionier des Pferdesports in Sachsen bekannt. Nach kurzer Militärlaufbahn, die er als Premierleutnant der Ölser Husaren abschloss, liess Treskow sich Anfang der 1880er Jahre in Dresden nieder. Die Eheschliessug mit Alwine Glier, einer Erbin der Musikinstrumentenfabrik F.A. Glier in Markneukirchen, erlaubte ihm ab 1884 das Leben eines Privatiers. Treskow baute in der Dresdner „Trainir-Anstalt“ seinen eigenen Rennstall „Baron Stockwell’s“ auf, mit Nachkommen der zur damaligen Zeit berühmten englischen Rennpferde „The Baron“ (1842-1852) and „Stockwell, the Emperor of Stallions“ (1849-1871, Bild). Zudem veranstaltete Treskow erste private Pferderennen auf Dresdner Exerzierplätzen. 1890 wurde nach seinen Vorstellungen auf dem neuen Gelände bei Seidnitz die Dresdner Galopprennbahn gebaut , nachdem er von acht Seidnitzer Bauern insgesamt 36 Hektar zum Bau eines Rennplatzes gepachtet hatte. Das erste Rennen wurde 1891 veranstaltet. Gemeinsam mit befreundeten Industriellen (u.a. Hugo Hoesch) und Militärs gründete Treskow am 17. Dezember 1890 den Verein „Dresdner Reiterheim“, der 1893 in „Dresdner Rennverein 1890 e.V.“ umbenannt wurde. Bis 1897 war Treskow erster Präsident. Zur Eröffnung der neuen Renntribünen begrüßte er in dieser Eigenschaft 1893 den sächsischen König Albert, der den Ehrenpreis für die „Grosse Dresdner Armee-Steeple-Chase“ stiftete. Nach einer skandalträchtigen Ehebruchsaffäre verliess Treskow Dresden 1897 und ging nach Frankreich, wo Gesetze und Moral nicht ganz so streng waren. Er erwarb vor den Toren von Genf das Chateau Livron in der französischen Stadt Annemasse, ein altes Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert mit schweren Türmen. Hier lebte er zurückgezogen mit seiner zweiten Ehefrau Catharina Härtel, einer Cousine seiner ersten Frau, die der damals weltgrößten Musikalienhandlung Breitkopf & Härtel in Dresden entstammte. Eine rechtsgültige Ehe wurde allerdings erst 1906 in Montreux geschlossen, als die gemeinsame Tochter bereits neun Jahre alt war. Im ersten Weltkrieg diente Walter v. Treskow im deutschen Generalkommando in Brüssel und kehrte erst nach Ende des Krieges wieder nach Deutschland zurück, um bis zu seinem Tode im Jahre 1923 das kleine Gestüt seines Bruders Alexander v. Treskow in Giesenbrügge (Neumark) zu leiten. Chateau Livron wurde verkauft und war 1929-2006 ein katholisches Redemptoristen-Kloster. Seit 2009 ist das Haus umfassend saniert und in Appartements aufgeteilt. Anlässlich seines 80. Todestags am 13. Februar 2003 wurde der 1891 errichtete Vereinspavillon auf der Dresdner Galopprennbahn in „Walter-von-Treskow-Pavillon“ umbenannt.


Rennpferd Stockwell


Galopprennbahn Dresden, Walter v. Treskow-Pavillon


Chateau Livron in Annemasse am Genfer See


Literatur:
100 Jahre Galopprennbahn Dresden-Seidnitz 1891-1991, Dresden 1991, Hg. v. K. D. Draage und C. F. Mossdorf, Dresden 1991.
Sächsische Biographie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.,
Artikel Walter v. Treskow, Dresden 2004.
P. J. Issele: Chateau de Livron par Annemasse, 1937.